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Erfolg im Beruf ist nicht nur Männersache. Frauen sind einer aktuellen Umfrage zufolge fast genauso stark an einer Karriere interessiert wie Männer.

36,9 Prozent der befragten Frauen haben den großen Wunsch, im Laufe ihrer Karriere eine oder eine weitere Führungsposition einzunehmen, wie aus der repräsentativen Umfrage des Instituts Civey unter 5000 Teilnehmern im Auftrag der Initiative Chefsache hervorgeht. Bei den Männern antworteten 43,3 Prozent entsprechend. 47,6 Prozent der Frauen und 38,5 Prozent der Männer haben keinen oder keinen großen Karrierewunsch.

38,9 Prozent der Frauen sind zuversichtlich, dass sich ihre Ambitionen auch umsetzen lassen. Unter den Männern sind es 46,6 Prozent. Weniger oder gar nicht zuversichtlich sind 41,1 Prozent der Frauen und 33,2 Prozent der Männer.

Julia Sperling, Partnerin bei der Unternehmensberatung McKinsey sagte zu dem Ergebnis: „Wenngleich das Verhältnis Männer zu Frauen noch immer nicht völlig ausgewogen ist, entkräftet die Umfrage das verbreitete Vorurteil, Frauen würden gar keine Karriere machen wollen.” Das Ergebnis sei ein positives Signal für ein ausgewogenes Verhältnis in Führungspositionen.

Die Initiative Chefsache ist ein Netzwerk von 23 Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor und Medien, das sich für mehr Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern einsetzt.

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Zwei oder mehr Mitarbeiter/innen teilen sich eine Vollzeitstelle, damit den Arbeitsplatz und das Gehalt – das Modell Jobsharing wird von rund einem Fünftel der österreichischen Unternehmen angeboten, deutlich mehr als in Deutschland. In Großbritannien und den Niederlanden ist das Modell weit verbreitet. Meist wird die Wochenarbeitszeit in Vor- und Nachmittag oder in einzelne Tage geteilt, etwas so: Eine Person arbeitet Montag und Mittwoch, die andere Dienstag und Donnerstag, am Freitag sind beide da. Das Gehalt wird, je nach Arbeitszeit, anteilsmäßig berechnet. Dasselbe gilt für den Urlaubsanspruch.

Mangelnde Qualifikation, fehlende Erfahrung oder (vermeintlich) weibliche Eigenschaften werden gerne als Gründe für die geringe Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen genannt. Tatsächlich handelt es sich bei der anhaltenden Geschlechterasymmetrie in den Leitungsgremien aber um ein strukturelles Problem: Auf klassische Geschlechterrollen ausgerichtete Karrierepfade und Arbeitspraktiken führen dazu, dass der Frauenanteil mit jeder Hierarchieebene abnimmt.
Weiters gilt: Je höher die Position in der Hierarchie angesiedelt ist, desto intransparenter werden die Kriterien und Verfahren der Auswahl. Steht die Besetzung einer Spitzenfunktion im Management oder im Aufsichtsrat an, werden formale Rekrutierungsverfahren gänzlich von informellen abgelöst – das sorgt ebenfalls für männerdominierte Führungsspitzen. Das international zu beobachtende Phänomen des abnehmenden Frauenanteils pro Karrierestufe wird als „Leaky Pipeline“ bezeichnet. Um diese Tendenz für Österreich zu untersuchen, hat die AK Wien heuer erstmals auch den Frauenanteil an den Prokuristen/innen – und damit in einem Teilsegment des Mittleren Managements – erhoben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Während der Frauenanteil unter den Erwerbstätigen mittlerweile bei 46,8 Prozent liegt, finden sich in den 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs lediglich 15,8 Prozent Prokuristinnen. Eine Hierarchieebene darüber – in der Geschäftsführung – sind noch weniger Frauen vertreten, nämlich 7,2 Prozent. An der Spitze der Führungspyramide stehen überhaupt nur noch 3,6 Prozent weibliche CEOs. Wie der Frauen.Management.Report für das Jahr 2017 zeigt, versickern bestens ausgebildete Frauen in den traditionell auf Männer ausgerichteten Karrierepfaden.

Frauen.Management.Report 2017; Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Prokura der Top200 und börsennotierten Unternehmen, Spitzer, Sonja; Wieser, Christina; Arbeiterkammer Wien, 2017